St. Maternus in Breberen

em 8. Jh., die in einem großenteils noch heidnischen Gräberfeld erbaut worden war und die eine gewisse Ähnlichkeit mit Kirchen dieser Zeit in Irland aufwies. Die Christianisierung des Maaslandes erfolgte übrigens zu Beginn des 8. Jhs. durch irisch-schottische Mönche. Es fanden sich auch Fundamente einer vielfach veränderten gotischen Kirche aus dem 14. Jh., die 1827-30 durch eine große, neue Kirche im klassizistischen Stil nach Plänen des Architekten Johann Baptist Cremer ersetzt wurde. Sie wurde 1889-90 in ihrem Inneren im Sinne der damals herrschenden Neu-Gotik umgestaltet, nachdem sie 1882 einen neuen Turm erhalten hatte. 1944 durch Sprengung während des Kriegs- und Frontgeschehens weitgehend zerstört, wurde sie seit 1948 wieder aufgebaut, wobei man soweit wie möglich auf die klassizistische Planung zurückgriff.

Die Kreuzigungsgruppe vom Ende des 15. Jhs., die nach ihrer Restaurierung unter Freilegung der ursprünglich farbigen Fassung 1998 im Choreingang aufgehängt wurde, ist ein Hauptwerk der maasländischen Bildschnitzerschule dieser Zeit. Der Kruzifixus ist erheblich größer als die Assistenzfiguren, die sich durch ihre unterschiedliche Art der Trauer auszeichnen. Diese teilt sich sogar im Faltenwurf mit. An der Kanzel befindet sich eine kleine Barockfigur des hl. Josef mit dem Kind und spielenden Engeln (18. Jh.) sowie ein Kruzifixus aus der gleichen Zeit.

Auf dem jetzt aufgelassenen alten Friedhof an der Kirche sind noch einige barocke Grabkreuze des 17. Jh. zu besichtigen.

Gründungszeit unserer Pfarre St. Maternus Breberen

Dem Internet am 12. März 2006 zur Verfügung gestellt von Peter von Cleef

für den Pfarrgemeinderat St. Maternus Breberen

Während der Völkerwanderung, die im Jahre 375 im Osten begann und sich nach Westen hin ausbreitete, kamen die Franken bei ihren Wanderzügen über den Rhein. Als Stilicho die römischen Legionen zum Schutze des Mutterlandes nach Italien um das Jahr 406 abgezogen hatte, setzten die Franken ihre Wanderungen weiter fort und nahmen dabei auch unsere engere Heimat in Besitz.

Als der fränkische König Chlodewech (481 bis 511) zur Regierung kam, saßen die salischen Franken westlich der Maas; sie hatten ihren Namen vom Salland, dem Gebiet der Yssala, der heutigen Yssel, erhalten. Die ripuarischen Franken wohnten an den Ufern des Mittel- und Niederrheins und hatten unter ihrem König Sigbert Köln zu ihrem Hauptort gemacht. Bei dem Versuch, sich auch nach Süden hin weiter auszudehnen, stießen die Franken unter ihrem König Chlodewech nach ihrem Sieg bei Soissons im Jahre 486 über den letzten Rest des Römerreiches unter Syagrius auf die Alemannen, die im Jahre 496 bei Tolbiacum, dem heutigen Zülpich, entscheidend geschlagen wurden. Veranlasst durch diesen Sieg nahm König Chlodewech mit seinen Großen das Christentum an. Chlodewechs vier Söhne erweiterten das Frankenreich, doch die langsam aufkommenden Grundherrschaften zersplitterten allmählich das weite Merowingerreich.

In den Äckern bei unserem Nachbarort Saeffelen lag eine fränkische bzw. merowingische Siedlung. Daraus lässt sich auch erklären, dass unsere Kirche auf einem merowingischen Gräberfeld errichtet wurde. Die frühen Christen gründeten mit Vorliebe auf Stätten germanischer Götterverehrung ihre Kirchen, um auf diesem Wege die altgeheiligten Orte in christliche Kultstätten umzuwandeln.

Das Patrozinium des hl. Maternus unserer Pfarre steht sicher in engem Zusammenhang mit der Förderung des Christentums durch den römischen Kaiser Konstantin (272(?)-337). Dieser verbrachte einen Teil seiner Amtszeit, die sich von 306 – 337 erstreckte, in der Kaiserresidenzstadt Trier und regierte von dort aus das weströmische Reich. Nachdem Konstantin Alleinherrscher über das römische Imperium wurde, verlegte er seine Residenz 316 in das von ihm gegründete Konstantinopel. Konstantin bekannte sich offen zum Gott der Christen und stellte das Christentum der antiken römischen Religion gleich und förderte seine Ausbreitung. Es ist logisch, dass das Christentum schon zu dieser Zeit, ausgehend von den rheinischen Römerstädten, auch in unserer Gegend immer mehr Anhänger fand. Trier entwickelte sich zu dieser Zeit zum christlichen Zentrum des Westens der antiken Welt. Zu dieser Zeit soll der hl. Maternus Bischof von Köln, Trier und Tongern gewesen sein. Ein nordafrikanischer Kirchenschriftsteller vermeldete, dass Maternus im Herbst 313 von Kaiser Konstantin zwecks Mitwirkung an einem Schiedsgericht nach Rom beordert wurde. Ein Jahr später nahm Maternus an der Synode von Arls in Südfrankreich teil. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Überlegung, dass der heilige Maternus als Bischof von Köln sicher in Köln und Umgebung schon unter den Römern bei den Christen eine bedeutende Stellung eingenommen hat. Die ripuarischen Franken unter König Sigbert hatten Köln zu ihren Hauptort gemacht. Daher ist es einsichtig, dass bei der Gründung unserer Pfarre in der Zeit um 500 auch die seit 496 christlichen Franken den in Köln und Umgebung sicher noch bekannten heiligen Maternus zum Pfarrpatron erhoben. Seit der Errichtung des Frankenreiches begannen auch für die Kirche unruhige Jahrhunderte. Da die Franken bis hin zu Karl d. Großen es verstanden, das Schwert besser als die Feder zu führen, werden diese Jahrhunderte als dunkle Jahrhunderte genannt, In diese Zeit fällt wohl die Gründung unserer Pfarre mit der Wahl der beiden Pfarrpatrone Maternus und Antonius.

Der hl Antonius ist der zweite Schutzpatron unserer Pfarre. Athanasius von Alexandria verfasste die Biographie des hl. Antonius aus Ägypten. Er schreibt, dass Antonius im Jahre 312 mit Hilfe einer Karawane in die Wüste des Berges Kolzim, nicht weit vom Roten Meer entfernt, einen Ort fand, an dem er sich ungestört wähnte. Dort blieb er bis zum Ende seines Lebens. Gegen Ende seines Lebens unterhielt Antonius mit Kaiser Konstantin einen regelrechten Postverkehr, der mit Dromedaren zum „Antoniusberg“ aufrechterhalten wurde.

Maternus und Antonius waren beide eindrucksvolle Persönlichkeiten der damaligen Zeit mit guten Beziehungen zum römischen Kaiserhaus.

Durch römische Fundstücke aus den ersten Jahrhunderten wird ein höheres Alter der Siedlung Breberen belegt.

Bei Grabungen in unserer durch Kriegseinwirkungen zerstörte Kirche in den Jahren 1948-49,

durch den bedeutenden Forscher Peter Anton Tholen aus Broichhoven, wurden die Spuren einer ersten frühchristlichen Holz- oder Fachwerkkirche des Rheinlandes aus dem Anfang des 8. Jahrhunderts gefunden. Als deren Nachfolgerin fanden sich auch Fundamente einer typischen vorromanischen Saalkirche aus der Zeit um das Jahr 1000. Das zeigt uns, dass ca. 200 Jahre nach der Gründung unserer Pfarre schon ein solideres Kirchengebäude gestanden hat, dessen Reste noch ca. 1300 Jahre später zu finden waren. Da die Christen zu allen Zeiten getauft haben, muss auch schon zu Anfang unserer Pfarre ein Gebäude gestanden haben, dass zumindest das Taufbecken vor Witterungseinflüssen geschützt hat. Diese Baukonstruktion war sicher nicht allzu solide, sodass von dieser Konstruktion nichts mehr gefunden werden konnte. In den Cartularien der Abtei St. Lambert zu Lüttich wird die Kirche von Breberen erstmalig im Jahre 1079 erwähnt.

Der Gangelter Chronist Kritzraedt aus dem 17. Jahrhundert war auch schon der Ansicht, dass die hiesige Bevölkerung in der Zeit von 500 bis 700 überwiegend christlich gewesen ist.

An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass sich der erste Bischof des Bistums Lüttich, der heilige Servatius, im Jahre 340 in Tongern niederließ und somit auch von dort aus die Gründung unserer Pfarre betrieben werden konnte. Schließlich soll Maternus auch Bischof von Tongern gewesen sein. Fest steht jedenfalls, dass Breberen bis zur Gründung der Diözese Aachen im Jahre 1802 zum Bistum Lüttich gehörte.

Von einer planmäßigen Missionierung unserer Heimat auf breiter Basis kann aber erst nach 690 ausgegangen werden, als der heilige Willibord 12 irisch- schottische Mönche ins Maastal rief. Daneben hat der heilige Lambertus großen Anteil an der Christianisierung unserer Heimat gehabt. Er war ebenfalls Bischof des Bistums Lüttich und fand im Jahre 709 in Lüttich den Märtyrertod. Da Breberen aber schon nachweisbar zu Anfang des 8. Jahrhunderts (also kurz nach 700) eine recht solide Kirche hatte, ist es völlig ausgeschlossen, dass die Pfarre St. Maternus erst in der Zeit um 700 gegründet wurde.

Damit haben wir hier in Breberen wohl das älteste Zeugnis unseres christlich- abendländischen Kulturkreises nicht nur im Land zwischen Maas und Rur, sondern in unserem ganzen Bistum Aachen zu verwalten und zu erhalten. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, bedarf es in unserer heutigen säkularen, vom Liberalismus und Pluralismus gekennzeichneten Zeit der Anstrengung aller derer, denen die christlichen Werte von Bedeutung sind. Die Geschichte lehrt uns, dass zu allen Zeiten, in denen die christliche Ethik für die gelebte Moral der Zeitgenossen ohne Bedeutung war, unsere Heimat in einem Meer von Blut und Tränen versank

Der kleine, altgeheiligte Hügel über dem Saeffelbachtal, wo in Breberen unsere Kirche steht, kann in den nächsten Jahrzehnten zu einem symbolischen Ort werden. Dort wird es sich vielleicht zeigen ob es uns gelingt, die drohende kollektive Beliebigkeit als Religionsersatz in unserer Gesellschaft mit der daraus erwachsenden existenziellen Bedrohung des Individuums abzuwenden.

Da unsere Argumentationen auf zum Teil hypothetischen Schlussfolgerungen aus der bekannten Geschichtsschreibung beruhen, sind wir für eine Überprüfung und ggf. Korrektur der Ausführungen dankbar.